Unterstützung Fixpunkt e.V. in Berlin:
Zahnhilfe für Randgruppen
| |
Als Weihnachten 2004 der Tsunami in Südostasien die Herzen der Bevölkerung erschütterte, wurde
auch in unserer Praxis über Unterstützungen gesprochen. In der Diskussion wurde bald deutlich,
dass wir uns ein langfristiges Projekt wünschen sowie einen Brennpunkt, der - bei allem
Mitgefühl für die Tsunamiopfer - vor der eigenen Haustür liegend in Vergessenheit gerät.
Durch unsere Fachpresse lernten wir den Berliner Verein Fixpunkt e.V. kennen. Diese
Vereinigung kümmert sich um die medizinische und zahnmedizinische Betreuung Drogensüchtiger und
Obdachloser in den Berliner Stadtteilen Kreuzberg, Neukölln und Charlottenburg.
Zu Beginn des Jahres 2005 schickten wir die ersten Pakete mit Geld- und Sachspenden nach
Berlin und knüpften Kontakt zu den Behandlern und Betreuern des Vereins Fixpunkt. |

Sabrina Held, unsere Fixpunkt-Koordinatorin, mit Natascha Vunic und Daniela Mohr
(von links)
| |
Im Sommer entstand der Wunsch, die Arbeit des Vereins vor Ort kennen zu lernen und künftige
spenden noch gezielter zusammenzustellen. Am 30. November 2005 war es dann endlich soweit: Dr.
Gerhard Weitz machte sich mit seinen Mitarbeiterinnen in aller Frühe auf den Weg nach Berlin.
Nach einem verkürzten Stadtbummel über den Alexanderplatz traf das Team in den Räumen des
Vereins ein. Frau Dr. Bracht, Ärztin und Zahnärztin freute sich mit Ihren Mitarbeitern riesig
über unseren Besuch und stellte ihr Team und die Einrichtung vor. Fünf Sozialarbeiter, drei
Krankenschwestern, je ein technischer und ein Verwaltungsmitarbeiter sowie eine weitere Ärztin
betreuen Patienten auf der Straße. Der Verein finanziert sich überwiegend aus Spenden und
Zuschüssen der Stadt Berlin. Drei Kleinbusse sind umgebaut und fahren regelmäßig durch die
Stadt, um Behandlungen durchzuführen oder Essen auszuteilen.
Grundanliegen des Vereins ist die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse der
Drogenabhängigen. Drückerstuben wie in Frankfurt oder Hamburg bekannt, gibt es in der Hauptstadt
nur ansatzweise. So können Abhängige in den Bussen saubere Spritzen erhalten und gebrauchte
Nadeln abgeben. Auch wird das Verletzungsrisiko unbeteiligter Dritter reduziert. Ist das
Vertrauen zu den Mitarbeitern von Fixpunkt erst mal gefestigt, leisten diese auch
seelsorgerische Arbeit.
Das Klientel spiegelt die sozialen Problemzonen unserer Gesellschaft wieder: Fast jeder
zweite Drogenabhängige ist Hepatitis C- oder HIV-infiziert. Die meist jugendlichen Abhängigen
beschaffen sich ihren "Stoff" durch Prostitution. Unerwartet hoch ist der Anteil der Patienten,
die aus bürgerlichen und gut situierten Familien stammen: Drogen kennen keine sozialen
Schranken. |

Unser Team vor der Abfahrt mit Frau Dr. Bracht (1. von rechts) und einem
Mitarbeiter (vorne)
| |
Wir nutzten die Gelegenheit, in einem der umgebauten Kleinbusse Fixpunkt auf die Straße zu
begleiten. Wundbehandlungen, Verbandswechsel und Verteilen von Hygieneartikel gehören neben
einer warmen Suppe zum Alltagsgeschäft. Bei Temperaturen nahe 0° verbunden mit einem scharfen
Wind freuten auch wir uns über heißen Kaffee und Suppe. Bei der Essensverteilung engagieren sich
genauso Süchtige. Teilweise im Methadonprogramm eingebunden versuchen sie so, Anschluss in die
Gesellschaft zu finden. Viele Teilnehmer erfahren durch diese Arbeit wieder neu Wertschätzung.
Überrascht waren wir über die Offenheit, mit der uns begegnet wurde. Vorbehaltlos begannen die
Patienten mit und lange Gespräche.
Für uns interessant war natürlich auch die Zahnbehandlung: Auf nicht einmal 2 m²
Arbeitsfläche werden auf einer fest montierten Behandlungsliege Zähne entfernt, Druckstellen
beseitigt und Füllungen gelegt. Die Licht- und Arbeitsgeräte sind zum Teil sehr primitiv und
behelfsmäßig organisiert - aber sie funktionieren und erfüllen ihren Zweck! Sogar
Prophylaxemaßnahmen werden durchgeführt. So konnten wir uns ein genaues Bild über den künftigen
Bedarf für Zahnbehandlungen machen. |

Der umgebaute Kleinbus für zahnärztliche Behandlungen
| |
Frau Dr. Bracht plant neben dem Ausbau der Betreuung auf der Straße eine feste
Behandlungsstation in den Vereinsräumen, um auch Wurzelkanalbehandlungen, einfache Prothetik und
verstärkt Prophylaxe durchzuführen.
Am Ende dieses ereignisreichen Nachmittags lud uns das Team Fixpunkt begeistert ein, im
Sommer den Besuch zu wiederholen. Diese Einladung werden wir gerne annehmen!
Der Besuch bestätigte und bestärkte uns darin, unseren Verein Fixpunkt weiter mit Sach- und
Geldspenden zu unterstützen und damit etwas gegen das Elend vor der eigenen Haustür zu tun. |
|
|